Der aufnahmebezogene Workflow

Darktable 3.5 ready

Seit Darktable 3 gibt es eine neue Empfehlung für die Bearbeitung von Bildern: der aufnahmebezogene Workflow. Dabei handelt es sich um eine linear bezogene Bearbeitung in der Pixelpipe. Das ist insofern sinnvoll, weil es Artefakte und Farbverschiebungen vermeidet, die bei der Verarbeitung nichtlinearer Pixelwerte auftreten kann. Der aufnamebezogene Workflow entkoppelt die Bildbearbeitung von den Charakteristiken eines bestimmten Bildschirms und vereinfacht die künftige Anpassung an neue moderne, hochdynamische Displays.

Für die aufnahmebezogene Bearbeitung solltest du vier Dinge berücksichtigen, die ich dir im Folgenden zeige.

ETTR fotografieren

Zunächst zur Kamera: Normalerweise kannst du dich auf deren Belichtungsmessung verlassen. Für einige Aufnahmen arbeitest du vielleicht mit der Belichtungskorrektur oder mit manuellen Einstellungen. Im Allgemeinen willst du die Belichtung in der Kamera so hell wie möglich machen, ohne dass die Spitzlichter ausreißen. Das nennt man expose to the right, oder kurz: ETTR. Sinn und Zweck des Ganzen ist es, möglichst die gesamte Bandbreite des Kamerasensors zu nutzen und mehr Details in den Schatten zu bekommen. Bei der Aufnahme helfen dir die Zebras oder Blinkies, die du bei deiner Kamera vielleicht einstellen kannst. Diese sollten bei der Aufnahme nicht sichtbar sein. Korrigiere die Belichtung daher soweit hoch, dass du sie gerade nicht siehst.

Mitteltöne im Belichtungs-Modul anpassen

Und jetzt geht es in die Dunkelkammer von Darktable: Im Modul Belichtung passt du mithilfe des Schiebereglers Belichtungskorrektur anpassen das Bild so an, dass die Mitteltöne gut zur Geltung kommen. Um die Spitzlichter und Schatten kümmerst du dich später.

Der aufnahmebezogene Workflow: Schritt 1
Schritt 1 in Darktable: Mithilfe des Belichtungsreglers kannst du die Mitteltöne anpassen

Das Belichtungs-Modul wird bei der aufnahmebezogenen Bearbeitung automatisch auf den Wert +0.5 EV angepasst, der mittlere Grauwert der meisten Kameras. Je nach Kamera musst du diesen Wert eventuell mithilfe einer automatischen Voreinstellung etwas nach oben korrigieren, auf ca. +0.8 EV bis +1.5 EV – wie du das machst, zeige ich in einem späteren Beitrag.

Zudem wird Belichtungskorrektur kompensieren eingeschaltet, um automatisch die kamerainterne Belichtungskorrektur auszugleichen. Das ist sehr nützlich bei Fotos, die so belichtet wurden, dass die Spitzlichter erhalten bleiben, und bei Fotos, die du ETTR geschossen hast.

Du kannst außerdem den Schwarzwert anpassen. Allerdings solltest du dabei sehr behutsam sein, denn das kann zu negativen RGB-Werten führen und dem Filmic-RGB-Modul (s.u.) Probleme bereiten.

Weißabgleich anpassen

Es ist wichtig, dass der Weißabgleich korrekt ist. Er dient als Basis für die weitere Bearbeitung. Deine Kamera speichert diesen Wert in den Metadaten und Darktable übernimmt ihn als Kamera-Referenzpunkt (das Glühlampen-Symbol rechts).

Der aufnahmebezogene Workflow: Schritt 2
Schritt 2 in Darktable: Setze den Weißabgleich korrekt

Meist ist der Weißabgleich korrekt. Willst du ihn trotzdem ändern, kannst du mit der Pipette einen neutralgrauen Farbton im Bild wählen, oder zum von der Kamera ermittelten wechseln. Erscheint die Meldung, dass der Weißabgleich doppelt angewendet wird, stellst du ihn entweder zurück auf den Kamera-Referenzpunkt oder schaltest die CAT-Anpassung im Farbkalibrierungs-Modul aus.

Feine Justierung kannst du mithilfe des Farbtemperatur-Schiebers vornehmen und – weniger häufig – mit dem Farbton-Schieber. Wenn du den Farbtemperatur-Regler nach links bewegst, wird das Bild kühler (blauer), nach rechts wird es wärmer (orangefarbiger).

Das Weißabgleich-Modul arbeitet immer auf das gesamte Bild. Mehr Kontrolle, vor allem bei Aufnahmen mit mehreren Lichtquellen, hast du zum Beispiel im Farbbalance-Modul.

Weiß- und Schwarzpunkt mit dem Filmic-RGB-Modul einstellen

Das Filmic-RGB-Modul bildet den Tonwertumfang des Sensors durch Kompression auf den Dynamikbereich des Monitors ab. Den mittleren Grauwert hast du bereits im Belichtungs-Modul eingestellt. Hier im Aufnahme-Register schlägt das Filmic-RGB-Modul einen Weiß- und Schwarzpunkt vor. Mit den Reglern weiß relative Belichtung und schwarz relative Belichtung sowie Skalierung des Dynamikbereichs kannst du das für bestimmte Aufnahmen anpassen.

Im Aussehen-Register kannst du – falls erforderlich – zudem den Kontrast und die Sättigung der Mitten anpassen.

Der aufnahmebezogene Workflow: Schritt 3
Schritt 3 in Darktable: Im Filmic-RGB-Modul stellst du den Weiß- und Schwarzpunkt ein

Weitere empfehlenswerte Module

Zusätzlich zum oben genannten Standard-Workflow willst du vielleicht deine Fotos vielleicht noch weiter bearbeiten. Für die aufnahmebezogene Bearbeitung bieten sich dabei folgende an:

Zuschneiden und Drehen / Perspektivkorrektur

Häufig willst du nur einen Ausschnitt eines Bildes zeigen, das Bild ein wenig drehen oder die Perspektive korrigieren. Dabei hilft das Zuschneiden und Drehen. Willst du automatisch die Perspektive anpassen, hilft dir die Perspektivkorrektur weiter. Beide Module kannst du auch nutzen, um die Effekte von Tilt-Shift-Objektiven zu simulieren.

Retusche / Tote Pixel

Willst du Staubflecken vom Sensor oder Unreinheiten auf der Haut korrigieren, hilft das Retusche-Modul. Hat dein Kamerasensor Pixelfehler oder produziert sogenannte heiße Pixel bei hohen ISO-Werten oder langen Belichtungszeiten, kann das Modul Tote Pixel diese automatisch korrigieren.

Farbbalance / Farbbereiche

Mit dem vielseitigen Modul Farbbalance kannst du Kontrast und Sättigung eines Fotos anpassen. Es kann auch zur Farbkorrektur genutzt werden, etwa Rottöne der Haut entfernen, die Farbbalance für Schatten, Mitten und Spitzlichter anpassen oder das sogenannte Orange and teal emulieren, das in vielen Filmen eingesetzt wird.

Das Farbbereiche-Modul kann in einigen Fällen hilfreich sein, wenn du mit Farbbalance nicht zum gewünschten Ergebnis kommst.

Tonwert-Equalizer

Der Tonwert-Equalizer ist das richtige Modul für das sogenannte Dodging and burning, zu Deutsch: Abwedeln. Du holst damit auch Details in den Schatten und Spitzlichtern hervor. Mit dem Equalizer kannst du auch die Leuchtdichte bestimmter Bereiche erhöhen oder reduzieren. Wenn du mit der Maus über das Bild fährst, zeigt dir das Modul den jeweiligen Belichtungswert an. Mithilfe des Mausrads kannst du diesen direkt vor Ort beeinflussen.

Lokaler Kontrast / Kontrast-Equalizer

Mit dem Modul Lokaler Kontrast betonst du Details und verbesserst die Klarheit. Es ist gut geeignet, um die generelle Schärfe zu verbessern. Als Modus solltest du den lokalen Laplace-Filter nutzen, der bereits voreingestellt ist.

Eine ausgefeiltere Technik bietet der Kontrast-Equalizer. Der ist sehr nützlich, falls räumliche Dimensionen wichtig sind. Das Modul hat eine Reihe von Voreinstellungen, die bei der ersten Bedienung und für das Verständnis dieses Moduls sinnvoll sein können.

Entrauschen (Profil)

Das Modul Entrauschen (Profil) ist meist die beste Option, um Bildrauschen mit einem Klick zu reduzieren. Dazu nutzt es die Exif-Daten zu Kameratyp und ISO-Wert. Die weiteren Einstellungen werden aus einer Datenbank mit Rauschprofilen von mehr als 300 Kameras übernommen. Der einfachste Weg, das Modul zu nutzen, ist der voreingestellte Modus nicht-lokales Mittel. Der Wavelets-Modus arbeitet ebenfalls effektiv gegen Farbrauschen. Wenn du das Modul nutzt, zoome auf 100 Prozent in das Bild, um den Effekt besser sehen und kontrollieren zu können.

Andere Module fürs Entrauschen sind Raw-Entrauschen, Flächenweichzeichner, Astrofotografie-Entrauschen und der Kontrast-Equalizer, der auf Wavelets basiert. Wenn deine Kamera nicht in der Datenbank aufgeführt ist, wäre Astrofotografie-Entrauschen eine praktische Alternative, da du Farbe (Chrominanz) und Helligkeit (Luminanz) separat behandeln kannst.

Dunstentfernung

Das Modul entfernt Schleier und Nebel in Landschaftsfotos, kann aber auch in anderen Aufnahmesituationen gute Dienste leisten.

Farbkalibrierung

Die Farbkalibrierung hat einige Voreinstellungen für schwarzweiße Filme, wie Fuji Acros und Ilford. Es kann auch dazu genutzt werden, Farbraumkorrekturen und Weißabgleich anzupassen.

Objektivkorrektur

Wird deine Kamera-Objektiv-Kombination unterstützt, kannst du mit diesem Modul nutzen, um Objektivverzerrungen zu korrigieren, falls das nicht bereits in der Kamera gemacht wurden.

Überblendmodi bei aufnahmebezogener Bearbeitung

Viele Überblendmodi sind für die anzeigebezogene Bearbeitung optimiert. Bei der aufnahmebezogenen Bearbeitung solltest du dich beschränken auf arithmetische Operationen (Addition, Multiplikation, Abziehen, Division, Durchschnitt), Maximum-Minimum-Vergleiche (Bildschirm) oder Kanalseparationen (Farbton, Farbe, Chromatizität etc.).

Module, die du mit Vorsicht nutzen solltest

Es gibt zwei Module, für die es im aufnahmebezogenen Workflow bisher noch keine Alternative gibt: Farbbereiche und Vignettierung. Willst du sie einsetzen, benutze sie sparsam und mit Vorsicht.

Farbbereiche

Die Übergänge bereiten manchmal Probleme. Alternativ kannst du Farbbalance mit einer parametrischen Maske nutzen.

Vignettierung

Das Modul kann zu unnatürlichen Ergebnissen mit starkem Abfall an den Rändern führen. Alternativ dazu nutzt du das Belichtungs-Modul mit einer elliptischen Maske mit einem großen Übergangsbereich. Um die Sättigung an den Ecken zu vermindern, kannst du anschließend das Farbbalance-Modul mit derselben Maske nutzen.

Künstlerische Effekte

Einige künstlerische Effekte kannst du in der aufnahmebezogenen Bearbeitung nutzen, andere solltest du vermeiden (s.u.). Auf jeden Fall kannst du

– deine Bilder mit Wasserzeichen versehen,

– die Körnung ändern,

– mit Nachtsehen die Wahrnehmung bei Dunkelheit simulieren,

– mithilfe des Farbtransfer-Moduls Aussehen und Wirkung auf ein anderes Bild übertragen und

– neutrale oder farbige Verlaufsfilter über das Foto legen.

Besser nicht: Module, die du vermeiden solltest

Von der Nutzung einiger Module bei der aufnahmebezogenen Bearbeitung raten die Darktable-Macher ab. Man kann sie zwar einsetzen, aber sie könnten unerwünschte Effekte bewirken, wenn man die Regler zu weit verschiebt. Darüber hinaus gibt es Alternativen für den aufnahmebezogenen Workflow.

Local tone mapping (veraltet) → Tonwert-Equalizer

Das Modul gilt ab Darktable 3.4 als veraltet und sollte nicht mehr benutzt werden. Stattdessen kannst du den Tonwert-Equalizer einsetzen.

Global tonemap (veraltet) → Filmic RGB

Das Modul gilt ab Darktable 3.4 als veraltet und sollte nicht mehr benutzt werden. Stattdessen kannst du Filmic RGB nutzen.

Schatten und Spitzlichter → Tonwert-Equalizer

Das Modul arbeitet mit Unschärfen mit Lab-Farbraum. Dieses führt zu Halo-Effekten, großen Kontrasten bei Spitzlichtern und Farbverschiebungen nach Blau in den Schatten. Benutze stattdessen den Tonwert-Equalizer.

Tiefpass → Kontrast-Equalizer oder Tonwert-Equalizer

Das Modul arbeitet mit Unschärfen mit Lab-Farbraum. Benutze für Unschärfen den Kontrast-Equalizer, für das Komprimieren des Dynamikumfangs den Tonwert-Equalizer.

Hochpass → Kontrast-Equalizer oder Lokaler Kontrast

Das Modul arbeitet mit Unschärfen mit Lab-Farbraum. Benutze für feine Unschärfen den Kontrast-Equalizer, für generelles Schärfen stattdessen Lokaler Kontrast.

Schärfen → Kontrast-Equalizer oder Lokaler Kontrast

Die Unschärfemaske des Schärfen-Moduls kann leicht zu Artefakten führen. Benutze stattdessen die Voreinstellungen von Kontrast-Equalizer für feine Unschärfen oder Lokaler Kontrast für generelles Schärfen.

Monochrom → Farbkalibrierung oder Farbbalance

Das Monochrom-Modul kann ziemlich knifflig sein. Die Voreinstellungen von Farbkalibrierung emulieren verschiedene Filme besser. Alternativ kannst du die Ausgangssättigung von Farbbalance auf 50 Prozent setzen.

Fill light (veraltet) → Tonwert-Equalizer oder Belichtung

Das Modul gilt ab Darktable 3.4 als veraltet und sollte nicht mehr benutzt werden. Stattdessen kannst du Tonwert-Equalizer oder Belichtung mit einer gezeichneten Maske nutzen.

Überstrahlung → Tonwert-Equalizer oder Belichtung

Auch Überstrahlung arbeitet mit Unschärfen mit Lab-Farbraum. Benutze entweder den Tonwert-Equalizer oder Belichtung mit einer parametrischen Maske.

Zone system (veraltet) → Tonwert-Equalizer oder Belichtung

Das Modul gilt ab Darktable 3.4 als veraltet und sollte nicht mehr benutzt werden. Stattdessen kannst du Tonwert-Equalizer oder mehrere Instanzen Belichtung mit parametrischen Masken nutzen, um die Zonen einzugrenzen.

Farbkorrektur → Farbbalance

Benutze Farbbalance. Das Modul arbeitet im RGB-Farbraum und ermöglicht einfache Anpassungen für Schatten (Offset), Mitten (Stärke) und Lichter (Steigung).

Velvia → Farbbalance

Die Ausgangssättigung im Farbbalance-Modul nutzt eine ähnliche Logik wie das Velvia-Modul, nur ohne Farbton- und Helligkeitsverschiebungen.

Werte / RGB Stufen → Farbbalance

Die Module Werte und RGB Stufen nutzen einen Teil der Funktionalität von Farbbalance. Und damit sind sie eigentlich überflüssig.

Farbkurve / RGB-Kurve → Farbbalance

Die Module Farbkurve und RGB-Kurve nutzt Darktable für das Anpassen des Kontrasts. Beide gehen von einen mittleren Grauwert von etwa 50 Prozent aus. Aber in der aufnahmebezogenen Bearbeitung liegt der deutlich darunter, bei zirka 18 Prozent. Deshalb ist es besser, den Kontrast im Farbbalance-Modul einzustellen, wo du den Referenzwert für mittleres Grau mit dem Kontraststützpunkt-Regler einstellen kannst.

Kontrast Helligkeit Sättigung → Farbbalance

Das Modul Kontrast Helligkeit Sättigung arbeitet im Lab-Farbraum mit den üblichen Einschränkungen. Benutze stattdessen Farbbalance.

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